Tier aus dem Tierheim adoptiert – jetzt den richtigen Tierarzt finden
Du hast ein Tier aus dem Tierheim adoptiert – herzlichen Glückwunsch. Das ist eine der schönsten Entscheidungen die man für ein Tier treffen kann. In der Aufregung der ersten Tage geht ein wichtiger Schritt manchmal unter: der erste Besuch beim Tierarzt.
Dabei ist gerade dieser Besuch entscheidend. Dein neues Tier bringt eine Vorgeschichte mit – und dein Tierarzt muss sie kennen, um es gut versorgen zu können.
1. Was du vom Tierheim mitbekommst
Seriöse Tierheime in Deutschland geben bei jeder Vermittlung eine vollständige Dokumentation mit. Diese Unterlagen sind die Grundlage für alle weiteren tierärztlichen Behandlungen – bewahre sie gut auf.
- Impfpass / EU-Heimtierausweis – mit allen bisherigen Impfungen, Daten und Chargenbezeichnungen. Pflicht für jede künftige Behandlung.
- Mikrochip-Nachweis – die 15-stellige Chip-Nummer, unter der dein Tier in der TASSO- oder FINDEFIX-Datenbank registriert ist.
- Gesundheitszeugnis / Tierheimakte – Befunde aus der Eingangsuntersuchung, Behandlungen während des Aufenthalts, bekannte Erkrankungen.
- Adoptionsvertrag / Schutzvertrag – enthält oft Auflagen zu Impfpflichten, Kastrationsgebot oder Nachkontrollen.
- Entwurmungsnachweis – Datum und verwendetes Präparat der letzten Entwurmung.
Nicht alle Unterlagen sind immer vollständig – besonders bei Tieren die als Fundtiere aufgenommen wurden oder aus Notsituationen stammen. Fehlt der Impfpass oder sind Einträge unklar, informiere deinen Tierarzt direkt beim ersten Besuch. Er kann den Impfstatus durch eine Blutuntersuchung (Titertest) prüfen und fehlende Impfungen nachholen.
2. Der erste Tierarztbesuch nach der Adoption
Viele neue Tierhalter warten ab bis ihr Tier krank wird – das ist ein Fehler. Der erste Besuch sollte innerhalb der ersten ein bis zwei Wochen nach der Adoption stattfinden, auch wenn das Tier gesund wirkt. Zwei Gründe: Erstens kann dein Tierarzt nur dann eine verlässliche Baseline erstellen – Gewicht, Zustand, bekannte Befunde – wenn er dein Tier kennt bevor etwas passiert. Zweitens können Erkrankungen die im Tierheim erworben wurden erst mit Verzögerung sichtbar werden.
Was beim ersten Besuch besprochen wird
3. Impfschutz prüfen und vervollständigen
Das Tierheim impft alle aufgenommenen Tiere nach Möglichkeit durch – aber der Schutz ist nicht immer vollständig. Das liegt nicht an Nachlässigkeit, sondern daran dass Tiere manchmal krank oder zu jung für bestimmte Impfungen ankommen, Impfstoffe fehlen oder der Aufenthalt zu kurz war.
| Situation | Was dein Tierarzt prüft |
|---|---|
| Impfpass vorhanden, alle Einträge klar | Fälligkeitsdaten prüfen, Lücken schließen, Auffrischungen planen |
| Impfpass unvollständig oder unklar | Titertest zur Bestimmung des vorhandenen Immunschutzes |
| Kein Impfpass vorhanden (Fundtier) | Grundimmunisierung neu starten |
| Tier aus dem Ausland | Zusätzliche Tests auf importierte Krankheiten (siehe unten) |
Besonders wichtig: Zwingerhusten ist unter Tierheimbewohnern weit verbreitet weil die Tiere auf engem Raum zusammenleben. Falls dein Hund aus dem Tierheim hustet oder schnieft, informiere deinen Tierarzt sofort – das ist oft behandelbar, kann sich aber auf andere Tiere übertragen.
4. Besonderheiten bei Tieren aus dem Ausland
Viele Hunde und Katzen werden aus dem südlichen Europa, Osteuropa oder außereuropäischen Ländern nach Deutschland vermittelt. Diese Tiere können Krankheiten mitbringen die in Deutschland selten oder unbekannt sind – und die ohne gezielte Untersuchung lange unentdeckt bleiben.
- Leishmaniose – durch Sandmücken übertragen, häufig aus Südeuropa, Nordafrika, Türkei. Chronisch, nicht heilbar, aber behandelbar. Bluttest empfohlen ca. 6 Monate nach Einreise.
- Herzwurm (Dirofilariose) – durch Mücken übertragen, vor allem aus Südeuropa. Kann tödlich verlaufen wenn unbehandelt.
- Babesiose (Zeckenfieber) – durch Zecken übertragen, häufig aus Osteuropa. Zerstört rote Blutkörperchen.
- Ehrlichiose / Anaplasmose – ebenfalls durch Zecken, vor allem aus wärmeren Regionen.
- Brucellose – bakterielle Erkrankung, relevant bei Hunden aus bestimmten Ländern. Auf Menschen übertragbar.
Bitte dein Tierheim beim Abholen aktiv um Informationen zum Herkunftsland und bekannten Risiken. Seriöse Tierschutzorganisationen führen bei Auslandshunden bereits einen Basistest durch – aber ein umfassender Gesundheitscheck beim deutschen Tierarzt ist trotzdem Pflicht, idealerweise kurz nach der Ankunft und nochmals nach sechs Monaten.
5. Die richtige Tierarztpraxis finden
Nach der Adoption brauchst du nicht irgendeine Praxis – sondern eine die zu deinem neuen Tier und deiner Situation passt. Drei Dinge sind dabei besonders wichtig:
Erfahrung mit Tierheimtieren
Tiere aus dem Tierheim haben oft eine unbekannte Vorgeschichte, können ängstlicher oder stressempfindlicher sein und brauchen einen besonders ruhigen Umgang. Frag beim ersten Telefonat direkt: „Habt ihr Erfahrung mit Tierheimtieren?“ Ein gutes Team weiß was das bedeutet.
Vertrauensvolles Erstgespräch
Der erste Besuch sollte kein Fließbandtermin sein. Du hast viele Fragen – zum Impfpass, zur Vorgeschichte, zur Eingewöhnung. Eine Praxis die dir dafür Zeit gibt und die Unterlagen aus dem Tierheim ernst nimmt, ist ein gutes Zeichen.
Erreichbarkeit und Notdienst
Besonders in den ersten Wochen nach der Adoption kann es zu unvorhergesehenen Situationen kommen. Wähle eine Praxis die gut erreichbar ist und bei der du weißt, wie du im Notfall Hilfe bekommst.
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Jetzt Tierarzt finden →6. Was kostet die tierärztliche Erstversorgung?
Die Schutzgebühr an das Tierheim liegt typischerweise zwischen 150 und 400 Euro – je nach Tier, Aufwand und Einrichtung. Sie deckt Impfungen, Chip, Kastration und Grundversorgung während des Aufenthalts ab. Plane nach der Adoption jedoch zusätzliche Kosten für die tierärztliche Erstversorgung ein.
| Leistung | Kosten (ca.) | Hinweis |
|---|---|---|
| Erstuntersuchung | 25–45 € | Pflicht vor jeder weiteren Behandlung |
| Impfpass prüfen + Impfplan | Im Termin enthalten | Kein Extra-Honorar |
| Fehlende Impfungen nachholen | 20–50 € je Impfung | Je nach Impfstoff |
| Titertest (bei unklarem Impfstatus) | 40–80 € | Laboruntersuchung |
| Kotuntersuchung (Parasiten) | 20–35 € | Empfohlen für alle Tierheimtiere |
| Importkrankheiten-Screening (Auslandshund) | 60–120 € | Blutbild, Leishmaniose, Herzwurm etc. |
Plane für den ersten Tierarztbesuch nach einer Adoption realistisch 100–200 Euro ein – je nachdem ob Impfungen nachgeholt werden müssen und ob ein Auslandsscreening nötig ist. Das ist eine einmalige Investition die später teure Überraschungen verhindert.
7. Häufige Fragen
Wenn du überlegst ein Tier zu adoptieren oder dich für ein Tier in deiner Stadt interessierst, wende dich direkt an das Tierheim in deiner Nähe. Die großen Tierschutzvereine in Berlin, Hamburg, München, Köln und Frankfurt bieten umfangreiche Beratung und begleiten dich durch den gesamten Adoptionsprozess.
- Deutscher Tierschutzbund e.V.: Tiervermittlung – Fragen und Antworten, Stand 2025
- Bundestierärztekammer: Ständige Impfkommission Veterinärmedizin (StIKo Vet) – Impfempfehlungen für Hunde und Katzen
- Tierheim Berlin / Tierschutzverein Berlin e.V.: Informationen zur Tiervermittlung, Stand Mai 2026
- Hamburger Tierschutzverein von 1841 e.V.: Adoptionsunterlagen und Vermittlungsablauf
- Tierschutzverein München e.V.: Tierheim München – Adoptionsprozess und Unterlagen
- Das Gesunde Tier: Tierschutzhund adoptieren – Ratgeber, Stand 2024
- Pedigree Deutschland: Hund adoptieren – was beachten, Stand Dezember 2025